cncr_jrny: Die zweite Operation
Meine letzte Chemotherapie habe ich ausgerechnet an meinem Geburtstag im Jahr 2020 bekommen. Wir haben die Gelegenheit genutzt und nicht nur meinen Geburtstag, sondern vor allem auch die Tatsache, dass dieser kräftezehrende Teil der Therapie endlich abgeschlossen war, gemeinsam mit vielen Freunden und Weggefährten gefeiert. Darauf haben wir ordentlich angestoßen. Gerade in den von Corona geprägten Zeiten kam so etwas ohnehin viel zu kurz, und wir alle haben diese gemeinsamen Stunden und das kleine Stück Normalität unglaublich genossen.
Ein unerwarteter Rückschlag: Die Narbenhernie
Eigentlich könnte man meinen, dass nun langsam die Zeit gekommen wäre, den Blick wieder nach vorne zu richten und Schritt für Schritt zurück ins Arbeitsleben zu starten. Doch davon war ich leider noch weit entfernt. Es stand noch eine zweite Operation an. Schon sehr bald nach der ersten großen Tumor-OP hatte sich nämlich gezeigt, dass sich die Muskelnaht unter der Haut gelöst und sich eine sogenannte Narbenhernie (ein Narbenbruch) gebildet hatte. Während der laufenden Chemotherapie konnte das jedoch auf keinen Fall operiert werden, da durch die Medikamente massive Wundheilungsstörungen zu erwarten gewesen wären.
Also hieß es im November 2020: Koffer packen und ein weiteres Mal ins Ketteler Krankenhaus in Offenbach einziehen, um diesen Bruch beheben zu lassen. In der Vorbereitung auf diese OP wurde noch einmal ein CT gemacht. Das war natürlich wieder ein nervenaufreibender Moment, denn die Bilder wurden direkt genutzt, um zu kontrollieren, ob sich im Körper neue Metastasen gebildet hatten. Glücklicherweise war das nicht der Fall! Diese Nachricht war ein absoluter Befreiungsschlag und wahrer Balsam für meine Seele.
Insgesamt habe ich dann noch einmal sieben Tage im Krankenhaus verbracht. Während der Operation wurde mir ein etwa DIN-A4-Blatt großes Netz in den Bauch eingesetzt. Dieses soll der Narbe und dem Gewebe künftig einen besseren Halt geben und erneuten Brüchen vorbeugen. Zudem wurde ein elastischer Bauchbund für die Zeit nach der OP mein ständiger, ganztägiger Begleiter.
Wie geht’s weiter?
Auch nach dieser OP musste ich mich weiter in Geduld üben. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus fiel mir alles noch sehr schwer, jede Bewegung war beschwerlich und die frische Narbe tat natürlich weh. Der Plan war, vor der beruflichen Wiedereingliederung noch eine Reha zu absolvieren. Doch auch diese konnte ich nicht direkt antreten. Ziel der Reha war es schließlich, die durch die Chemotherapie und die Eingriffe verloren gegangene Fitness wieder aufzubauen und den Körper für den Alltag und das Arbeitsleben wieder richtig fit zu machen. Bevor ich dieses Projekt allerdings aktiv angehen durfte, mussten erst noch einmal gut eineinhalb Monate vergehen, in denen die Wunde heilen konnte. Geduld blieb also weiterhin mein engster Begleiter.




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